Hormonelle Verhütung und Krebsrisiko
Viele Frauen verhüten über einen längeren Zeitraum mit hormonellen Methoden, meist mit der Antibabypille. Diese beeinflusst nachweislich das Risiko für mehrere Krebsarten, allerdings nicht einheitlich in eine Richtung: Bei manchen Krebsarten sinkt das Risiko, bei anderen steigt es leicht an. Für die persönliche Entscheidung ist es wichtig, beide Seiten zu kennen, statt sich nur auf eine Schlagzeile zu verlassen.
Nach heutigem Kenntnisstand gilt für die klassische Kombinationspille aus Östrogen und Gestagen:
Ein gesenktes Risiko besteht für:
- Eierstockkrebs, das Risiko sinkt bei langjähriger Einnahme deutlich, der schützende Effekt hält auch nach dem Absetzen noch viele Jahre an
- Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom), ebenfalls mit einem langanhaltenden Schutzeffekt
- Möglicherweise auch Darmkrebs, hierzu ist die Datenlage aber noch nicht ganz so eindeutig wie bei den beiden anderen Krebsarten
Ein leicht erhöhtes Risiko besteht für:
- Brustkrebs, während der Einnahme und in den Jahren danach, das Risiko normalisiert sich aber nach dem Absetzen wieder
- Gebärmutterhalskrebs, bei langjähriger Einnahme, wobei hier vermutet wird, dass die Pille möglicherweise das Eindringen von HPV in die Schleimhaut begünstigen könnte
Die Erhöhung des Risikos für Brust- und Gebärmutterhalskrebs ist im Vergleich zur Risikominderung bei Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs eher gering. Die Weltgesundheitsorganisation kommt in ihrer Gesamtbewertung zu dem Schluss, dass sich die unterschiedlichen Effekte der Pille in etwa die Waage halten. Für die individuelle Entscheidung spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle, etwa die eigene Familiengeschichte, das Alter beim Beginn der Einnahme und wie lange die Pille genommen wird. Das lässt sich am besten im persönlichen Gespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt einordnen.
Frauen mit einer bekannten erblichen Veranlagung, zum Beispiel durch eine BRCA1- oder BRCA2-Genveränderung, profitieren in Studien ebenfalls von der schützenden Wirkung der Pille auf das Eierstockkrebsrisiko. Ein zusätzliches Brustkrebsrisiko durch die Pille ließ sich in dieser Gruppe bisher nicht eindeutig nachweisen. Wer eine familiäre Belastung vermutet, kann das Thema Verhütung auch in unserer Sprechstunde für familiäres Krebsrisiko ansprechen.
