Cottbuser Ärzteteam operiert erneut in Tansania

Ein Team der Klinik für Neurochirurgie der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) reist erneut zu einer einwöchigen medizinischen Mission nach Tansania. Vom 9. bis 13. März wird Prof. Dr. med. Ehab Shiban, Chefarzt der Neurochirurgie, gemeinsam mit seinem Team am Bugando Medical Centre (BMC) in Mwanza mehrere anspruchsvolle Hirnoperationen durchführen und zugleich die fachliche Weiterbildung der dortigen Kolleginnen und Kollegen intensiv begleiten.
Bereits im Jahr 2025 hatte die MUL – CT einen ersten erfolgreichen Einsatz am BMC realisiert. Damals standen hochkomplexe Eingriffe bei bösartigen sowie außergewöhnlich großen Hirntumoren im Fokus. Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurde das medizinische Konzept nun gezielt weiterentwickelt: Im Mittelpunkt der aktuellen Einsatzwoche stehen gutartige Tumore, insbesondere sogenannte Meningeome.
Im Unterschied zu den komplexen Eingriffen des Vorjahres benötigen Operationen bei Meningeomen keine aufwendigen Großgeräte. Sie können mit vorhandenen Instrumenten strukturiert durchgeführt und sicher erlernt werden. Ziel ist es, die Neurochirurginnen und Neurochirurgen in Mwanza so anzuleiten, dass sie diese Eingriffe künftig eigenständig und auf hohem fachlichem Niveau durchführen können.
Der nachhaltige Nutzen dieses Ansatzes ist erheblich: Nach vollständiger Entfernung eines Meningeoms haben Patientinnen und Patienten in der Regel eine normale Lebenserwartung. Der gezielte Aufbau lokaler Expertise trägt somit entscheidend dazu bei, die neurochirurgische Versorgung langfristig zu stärken und die Behandlungsqualität vor Ort dauerhaft zu sichern.
„Wir wollen in Mwanza nicht nur operieren, sondern vor allem Wissen weitergeben und Strukturen stärken“, sagt Prof. Dr. med. Ehab Shiban. „Der kollegiale Austausch mit dem Team vor Ort ist intensiv, offen und fachlich auf Augenhöhe – das macht diese Zusammenarbeit besonders wertvoll.“
Begleitet wird Prof. Shiban von Thomas Marx, geschäftsführender leitender Oberarzt der Neurochirurgie, sowie von Dr. med. Maria Kipele, Assistenzärztin der Neurochirurgie. Für sie hat der Einsatz auch eine persönliche Dimension: „Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die Kolleginnen und Kollegen in meinem Heimatland arbeiten. Teil dieses Austauschs zu sein und konkret helfen zu können, ist für mich eine große Motivation und ein persönlicher Traum.“
Unterstützt wird das Team zudem von Jan Gohlke, Oberarzt der Anästhesiologie am Rhön-Klinikum (Campus Bad Neustadt), der die anästhesiologische Betreuung während der Operationen übernimmt.
Mit dem erneuten Aufenthalt in Mwanza setzt die MUL – CT ihre internationale Zusammenarbeit in Tansania konsequent fort. Durch wiederkehrende Einsatzwochen, strukturierte Trainingskonzepte und gemeinsame Behandlungsstandards soll eine nachhaltige, eigenständige neurochirurgische Versorgung am Bugando Medical Centre etabliert werden.
Kolleginnen und Kollegen aus Tansania werden künftig mit klar definierten Lernzielen in Cottbus hospitieren, während Teams der MUL – CT regelmäßig in Mwanza operativ und schulend tätig sind. „Parallel entwickeln wir gemeinsame, standardisierte Behandlungs- und Nachsorgepfade – von der präoperativen Indikationsstellung über intraoperative Sicherheitsstandards mit Navigation, Neuromonitoring und intraoperativer Strahlentherapie bis hin zur strukturierten Rehabilitation. Diese Prozesse hinterlegen wir mit einem transparenten Qualitätsmonitoring, einschließlich Morbiditäts-/Mortalitätskonferenzen und Ergebnis-Benchmarking“, erläutert Prof. Shiban.
Ein Schwerpunkt wird zudem die digitale Vernetzung: Regelmäßige interdisziplinäre Fallkonferenzen und Tumorboards per Telemedizin schaffen Planungssicherheit, beschleunigen Therapieentscheidungen und erhöhen die Patientensicherheit. Ergänzend wird das Bugando Medical Center mit zielgerichteter Ausstattung und Schulungen unterstützt – nicht als Einzelspende, sondern eingebettet in Wartungs-, Verbrauchsmittel- und Trainingskonzepte, damit die Technik sicher und nachhaltig eingesetzt werden kann.
„Wissenschaftlich heben wir die Kooperation über gemeinsame Studien auf die nächste Stufe. Unter geprüften Ethik- und Datenschutzstandards untersuchen wir den Einfluss strukturierter Abläufe auf Versorgungsqualität, Komplikationsraten und Mobilisationszeiten. Unser langfristiges Ziel ist, die Kolleginnen und Kollegen vor Ort so zu qualifizieren, dass sie komplexe Hirntumoren eigenständig und sicher operieren können – als belastbare Grundlage für messbar bessere Ergebnisse und als Blaupause für weitere standortübergreifende Kooperationen“, so Shiban.
