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MUL – CT stärkt akademischen Nachwuchs

Mit dem Regine-Hildebrandt-Programm und der Promotionsförderung setzt die Universitätsmedizin auf innovative Forschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Lausitz
22.05.2026
Förderpreisverleihung
Das sind die vier Wissenschaftlerinnen (jeweils mit Urkunde und Blume), die für ihre Forschungsvorhaben ausgezeichnet wurden: Dr. Nadja Heidrich, Dr. Anne Kolouschek, Dr. Anne Kammel und Dr. Sonia Ziegler.
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Vier Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen der MUL – CT werden in diesem Jahr mit dem Regine-Hildebrandt-Programm ausgezeichnet. Neun weitere Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler starten im Promotionsförderprogramm. Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel eröffnet die Veranstaltung und betont die Notwendigkeit, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung und Innovation in der Lausitz mutig weiterzuentwickeln. Beide Förderprogramme leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.

„Wir müssen aus dem Knick kommen“ und „Liebe deinen Nächsten, aber kümmere dich auch um ihn“ – dies seien zwei Lebensweisheiten ihrer Mutter gewesen, sagt Elske Hildebrandt, Tochter der früheren brandenburgischen Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen und Mitglied im Landtag Brandenburg, zur Begrüßung der Gäste. An ihrer Seite ist ihr Vater Jörg Hildebrandt, Ehemann der Namensgeberin des Förderprogramms.

Zugleich dankt sie allen Beteiligten, die das Förderprogramm ermöglichen und damit gezielt wissenschaftliche Karrieren von Frauen stärken. Das Regine-Hildebrandt-Programm unterstützt promovierte Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen der MUL – CT dabei, ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit auszubauen und eigene Forschungsprojekte zu realisieren.

Sie betont, wie sehr diese Förderung zum Lebenswerk ihrer Mutter passe. Regine Hildebrandt sei „durch und durch Wissenschaftlerin“ gewesen – eine promovierte Biologin mit einem tiefen Verständnis dafür, wie Forschung gesellschaftlich wirksam werden könne.

Gleichzeitig hebt Elske Hildebrandt die besondere Verbindung von Medizin, Wissenschaft und regionaler Verantwortung hervor. Die Lausitz könne sich zu einer Modellregion für Gesundheitssystemforschung entwickeln – mit der zentralen Frage: „Was ist los, was brauchen wir und wie können wir Synergien schaffen?“ Besonders wichtig sei dabei die interprofessionelle Zusammenarbeit.

Im Mittelpunkt des Programms stehe insbesondere die Förderung von Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen. Obwohl Frauen heute mehr als die Hälfte der Abiturabschlüsse erreichen und nahezu die Hälfte aller Promotionen absolvieren, zeigten sich weiterhin deutliche Brüche in wissenschaftlichen Karrierewegen. Genau hier setze das Regine-Hildebrandt-Programm an: Es erleichtere den Zugang zu Forschung, Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung. „Das war meiner Mutter eine Herzensangelegenheit – es hätte kein passenderes Förderprogramm geben können“, so ihr Dank an alle Anwesenden.

Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Gründungsvorständin Wissenschaft der MUL – CT, ordnet anschließend die beiden Förderprogramme ein und erläutert deren unterschiedliche Zielsetzungen. Das Regine-Hildebrandt-Programm unterstütze promovierte Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen bei eigenständiger Forschung und stärke zugleich die Gleichstellung am Wissenschaftsstandort Cottbus. Neben finanzieller Förderung biete es Möglichkeiten zum Kompetenzaufbau und zur wissenschaftlichen Vernetzung.

Das Promotionsförderprogramm richte sich hingegen gezielt an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler mit eigenständig entwickelten Promotionsprojekten. Ziel sei es, wissenschaftliche Unabhängigkeit frühzeitig zu fördern und innovative Forschungsideen zu unterstützen.

Kuhlmey erinnert zudem an die Entstehung des Regine-Hildebrandt-Programms: „Der Name Regine Hildebrandt soll lebendig bleiben – verbunden mit jungen Frauen, die in Forschung investieren und deren Arbeit den Menschen dient. Regine Hildebrandt gab denjenigen eine Stimme, die Unterstützung brauchten. Mut, Ausdauer und Freude an Förderung sind bis heute Maßstab und Verpflichtung zugleich.“

Im Mittelpunkt des Abends stehen die ausgezeichneten Forschungsvorhaben.

Dr. rer. nat. Nadja Heidrich, seit 2019 im Bereich Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der MUL – CT tätig, widmet sich der Frage, wie sich die Ausbreitung multiresistenter Krankenhauskeime mithilfe moderner Nanosequenzierung verhindern lässt. Ziel ihres Projekts ist es, das Auftreten und die Verbreitung multiresistenter Erreger zu reduzieren und damit die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern. Prävention wird dabei als zentraler Bestandteil moderner Gesundheitsforschung verstanden. Das Vorhaben entsteht in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut sowie der Geriatrie der MUL – CT.

Dr. med. Anne Kolouschek, Oberärztin der Angiologie und Absolventin der TU Dresden, verfolgt mit „HEARTcare Lausitz“ einen präventionsmedizinischen Ansatz mit regionaler Perspektive. Das Projekt verbindet arbeitsplatzbasierte Gefäßprävention mit Gesundheitssystemforschung und soll die Lausitz zu einer Modellregion für kardiovaskuläre Prävention machen. Ziel ist es, Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, die Risikowahrnehmung zu verbessern und Prävention als aktiven Versorgungsprozess zu etablieren. Gemeinsam mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement wird untersucht, wie arbeitsplatzintegrierte Präventionsprogramme Risikoerkennung und Versorgung nachhaltig verbessern können – mit Potenzial zur Übertragbarkeit auf andere Kliniken.

Dr. rer. nat. Anne Kammel, seit 2022 am Institut für Laboratoriumsmedizin der MUL – CT tätig und zugleich eng mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg verbunden, beschäftigt sich mit der Digitalisierung von Patientendaten im hämato-onkologischen Kontext. Im Mittelpunkt steht der Aufbau strukturierter Datenbanken zur Katalogisierung genetischer Veränderungen, die für Diagnostik und Therapieentscheidungen relevant sind. Vernetzte Datensätze seien ein Schlüssel für moderne Gesundheitssystemforschung, betont Kammel.

Dr. med. Sonia Ziegler, leitende Oberärztin der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie und seit 2025 an der MUL – CT tätig, untersucht, wie künstliche Intelligenz Therapieentscheidungen in der Krebsmedizin unterstützen kann. Im Fokus stehen sogenannte „Large Language Model-gestützte Tumorboards“ – KI-assoziierte Systeme, die Tumorboards in Echtzeit unterstützen sollen. Ziel ihres Projekts ist die Entwicklung von Entscheidungsunterstützungssystemen, die Therapiestrategien vergleichen, die Robustheit von KI-Empfehlungen analysieren und zugleich die Rolle ärztlicher Expertise im Entscheidungsprozess bewerten. Gerade in der Krebsmedizin sei es entscheidend, wissenschaftlich stets auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Die Urkunden an die Förderpreisträgerinnen werden anschließend von Elske Hildebrandt überreicht. Zu den Gratulanten zählen neben Prof. Eckhard Nagel und Prof. Adelheid Kuhlmey auch Vorstand Prof. Ulrike Gutheil.

Im zweiten Teil des Abends würdigt Dr. Lars Lilge, Leiter der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung, die ersten Teilnehmenden des Promotionsförderprogramms der MUL – CT. Ausgezeichnet werden Anna Schiller (Pädiatrie), Anna-Lena Graumann (Betriebsmedizin), Dennis Klapper (Orthopädie), Hanna Weber (Gynäkologie und Geburtshilfe), Hanna Hrievtsova (Radiologie und Neuroradiologie), Izumi Yoshida (Dermatologie), Jenny Honig (Akademie der MUL – CT) sowie Sascha Zell und Erik Halm von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Nach der feierlichen Überreichung der Urkunden kündigt Prof. Adelheid Kuhlmey bereits die nächste Ausschreibung für Mitte Juni an. Zugleich blickt sie gespannt auf die kommenden Jahre: „Schon heute freue ich mich darauf, in zwei Jahren zu evaluieren, welche Wirkung dieses Investment in Wissenschaft, Innovation und Nachwuchsförderung entfalten wird“, schließt sie den Abend.