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Wie die MUL – CT die hausärztliche Versorgung sichern will

Erfolgreiches 1. Praxentreffen der Allgemeinmediziner / Künftige Medizinstudierende werden in Hausarztpraxen der Modellregion lernen
25.06.2026
Praxentreffen Allgemeinmedizin Foto 1
Prof. Dr. med. Jeannine Schübel vom Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin an der MUL – CT (vorn links) vermittelte beim 1. Praxentreffen der Allgemeinmedizin im gut gefüllten Hörsaal der MUL – CT mit ihrem Team wesentliche Voraussetzungen und organisatorische Dinge bei der Etablierung akademischer Hausarztpraxen.
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Prof. Dr. med. Jeannine Schübel, Professorin für Allgemeinmedizin vom Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin an der MUL – CT.
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Dr. med. Stefan Roßbach-Kurschat (r.), Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, steuerte ein Grußwort bei.

Wie können Hausarztpraxen aktiv an der Ausbildung der Medizinstudierenden und an praxisnaher Forschung mitwirken? Welche Chancen ergeben sich für die ambulante und allgemeinmedizinische Versorgung in der Lausitz? Diesen Fragen hat sich das 1. Akademische Praxentreffen des Departments für Primärversorgung – Allgemeinmedizin der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) gewidmet. 70 Ärztinnen und Ärzte der Region und Mitglieder ihrer Praxisteams diskutierten über die künftige Hausarztversorgung einer ganzen Region.

Im Mittelpunkt standen die Entwicklung akademischer Lehrpraxen, die zukünftige Zusammenarbeit mit Hausarztpraxen sowie aktuelle Forschungsprojekte der Allgemeinmedizin. Prof. Dr. med. Jeannine Schübel vom Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin an der MUL – CT vermittelte mit ihrem Team wesentliche Voraussetzungen und organisatorische Dinge bei der Etablierung akademischer Hausarztpraxen. Welche Rolle spielen Praxisteams? Wie können die künftigen Medizinstudierenden der Uniklinik die Hausarztpraxen in der Region unterstützen? Und welche Inhalte aus Lehre und Forschung müssen ihnen dazu mit auf den Weg gegeben werden?

Prof. Dr. med. Jeannine Schübel, Professorin für Allgemeinmedizin vom Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin an der MUL – CT: „Für mich war dieses erste Akademische Praxentreffen ein besonderer Moment, und wir sind als Team sehr dankbar für den offenen Austausch mit den Praxisteams. Akademische Hausarztpraxen sind entscheidende Orte, an denen Studierende erleben, was gute Primärversorgung ausmacht. Gleichzeitig zeigen die Gespräche, wie viele wichtige Forschungsfragen direkt aus dem Versorgungsalltag entstehen. Genau hier möchten wir gemeinsam ansetzen: in der Lehre, in der Forschung und in der Zusammenarbeit mit den Praxen.“

Akademische Hausarztpraxen sollen Teil eines regionalen Versorgungs- und Universitätsnetzwerkes werden, um die Qualität in der Versorgung gemeinsam zu verbessern. Hausarztpraxen dienen dann als akademische Lern- und Forschungsorte in realer ambulanter Versorgung. Der medizinische Nachwuchs an der MUL – CT wird in Blockpraktika ausgebildet. Der modularisierte, verzahnte und kompetenzbasierte Modellstudiengang der MUL – CT richtet sich an den Profilthemen Digitalisierung, Interprofessionalität, Allgemeinmedizin und Wissenschaftlichkeit aus, wurde beim Praxentreffen deutlich.

Dr. med. Katharina Weinert, Vorstandsvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Brandenburg: „Die flächendeckende hausärztliche Versorgung ist das Fundament unseres Gesundheitssystems und auch in der Lausitz ein entscheidender Standortfaktor für die Menschen und deren Lebensqualität. Mit dem Treffen der akademischen Praxen und der Bildung eines Netzwerks haben wir neue Möglichkeiten, die hausärztliche Versorgung zukunftssicher aufzustellen, den medizinischen Nachwuchs direkt vor Ort für die Allgemeinmedizin zu begeistern und eine praxisnahe Versorgungsforschung zu etablieren.“ 

Aktuell stünden die Hausarztpraxen laut Weinert vor erheblichen Herausforderungen: Neben zahlreichen Gesetzesvorhaben, die große Unsicherheiten in die Praxen bringen würden, führen ein steigender Behandlungsbedarf und ein zunehmender bürokratischer Aufwand zu einer spürbaren Verdichtung der Arbeit in den hausärztlichen Praxen. Nicht immer kann ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für eine Praxis gefunden werden, wenn Kollegen in den Ruhestand gehen. „Daher ist es insgesamt sinnvoll, sich frühzeitig zu vernetzen und die Aus- und Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte zu unterstützen. Das können die akademischen Praxen zusammen mit dem Institut für Allgemeinmedizin in Cottbus leisten“, sagt Dr. Weinert.

Dr. med. Stefan Roßbach-Kurschat, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg: „Die primärärztliche hausärztliche Versorgung ist das Rückgrat der ambulanten Medizin. Sie wird künftig eine noch wichtigere Schlüsselfunktion für die ländliche Versorgung insbesondere die Lausitz übernehmen. Das Praxentreffen ist ein Auftakt und setzt ein Zeichen, der Bedeutung der ambulanten primärärztlichen Versorgung: Wir gewinnen den medizinischen Nachwuchs nicht allein im Hörsaal, sondern direkt in der Praxis auf dem Land bzw. vor Ort.“

Verpflichtende Ausbildung in der Praxis begeistert und vermittelt frühzeitig das breite Spektrum der ambulanten Grundversorgung. „Wenn wir wollen, dass der medizinische Nachwuchs nach dem Studium in Brandenburg bleibt, brauchen wir Netzwerkstrukturen und motivierte niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die in Lehrpraxen junge Weiterbildungsassistenten ausbilden und als Mentoren begleiten. Die enge Verzahnung mit der neuen Medizinischen Universität Lausitz ist dafür der Schlüssel“, so Roßbach-Kurschat weiter. Praxisnahe Forschung und der niederschwellige Einstieg in die patientennahe Ausbildung seien der Garant der ärztlichen Nachwuchsgewinnung, dazu würden auch die Unterstützung von Weiterbildungsnetzwerken mit dem Fokus der hauptamtlichen neutralen Koordination zählen. „Das große Interesse am heutigen Treffen zeigt: Primärärztliche Versorgung ist ein unabdingbarer essentieller Baustein der ambulanten Versorgung. Ambulante Versorgung benötigt Weiterbildung und ausreichend Ressourcen. Die Praxen in der Region sind bereit, anzupacken und durchzustarten.“

Apropos durchstarten: Schon heute steht fest, es wird eine Fortsetzung des Formates geben. Das 2. Akademische Praxentreffen der Allgemeinmedizin findet am 25.11.2026 statt, ebenfalls in Präsenz. Interessierte Hausarztpraxen können sich anmelden über: amed@mul-ct.de.