Innovations- und Netzwerkrat zur Zukunft der Primärversorgung

Wie kann die medizinische Grundversorgung in der Lausitz auch künftig wohnortnah, bedarfsgerecht und leistungsfähig gestaltet werden? Mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich die 7. Sitzung des Innovations- und Netzwerkrats der Modellregion Gesundheit Lausitz in der Lausitz Klinik Forst. Vertreterinnen und Vertreter aus Gesundheitswesen, Wissenschaft, Politik und Selbstverwaltung informierten sich über den aktuellen Stand des Forschungsprojekts zur Entwicklung bedarfsgerechter Primärversorgungszentren (PVZ) und diskutierten die nächsten Umsetzungsschritte.
Mit dem Forschungsprojekt verfolgt die Modellregion Gesundheit Lausitz das Ziel, die medizinische Grund- und Akutversorgung langfristig wohnortnah zu sichern. Die Primärversorgungszentren sollen dabei als erste Anlaufstelle für gesundheitliche Anliegen dienen – von akuten Beschwerden über chronische Erkrankungen bis hin zu kleineren Notfällen. Gleichzeitig sollen sie Krankenhäuser und Notaufnahmen spürbar entlasten und die Zusammenarbeit einzelner Fachrichtungen und Einrichtungen stärken.
„Die Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung, zunehmender Fachkräfteengpässe und längerer Wege zur medizinischen Versorgung verlangen nach neuen Lösungen. Mit den Primärversorgungszentren entwickeln wir ein innovatives Versorgungskonzept, das sich konsequent an den Bedürfnissen der Menschen in der Lausitz orientiert und wissenschaftlich begleitet wird“, betonte Projektleiterin Stefanie Schiemenz im Rahmen der Sitzung.
Im Mittelpunkt der geplanten Zentren steht die enge Zusammenarbeit interprofessioneller Teams aus ärztlichen, pflegerischen, therapeutischen und sozialberatenden Fachkräften. Durch koordinierte Behandlungswege, längere Öffnungszeiten sowie eine gezielte Patientensteuerung sollen Versorgungslücken geschlossen und Patientinnen und Patienten schneller die passende Hilfe erhalten. Hier werden medizinische, pflegerische und soziale Unterstützungsangebote gebündelt.
Nachdem standortbezogene Kriterien entwickelt wurden, konnten sich Standorte in der Lausitz für die Entwicklung, Förderung und Umsetzung zu einem Primärversorgungszentrum bewerben. Aktuell arbeiten fünf Standorte an einem Betreiberkonzept: MVZ Alte Poliklinik Lauchhammer, MVZ Lübbenau GmbH, Am Evangelischen Krankenhaus Luckau, Elbe-Elster-Klinikum Finsterwalde und die kreisfreie Stadt Cottbus.
Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorsitzender des Innovations- und Netzwerkrats und Vorstandsvorsitzender der MUL – CT, sieht in dieser neuen Versorgungsstruktur und in dem damit verbundenen Angebot an die Bürgerinnen und Bürger einen wichtigen Baustein für die zukünftige Gesundheitsversorgung der Lausitz: „In der Modellregion bietet sich zudem die Chance, neue Versorgungsformen wissenschaftlich zu erproben und Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Primärversorgung in ganz Deutschland zu gewinnen. Damit kann die Lausitz bedeutsame Impulse und Erkenntnisse für die Umsetzung der auf Bundesebene angestoßenen Reformen der Primärversorgung setzen und ihre Rolle als Innovationsregion im Gesundheitswesen weiter ausbauen.“
