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Studie der Cottbuser Herzmedizin ausgezeichnet

Herzkatheter ohne zusätzlichen Ultraschall: MUL – CT erhält DGK-Preis und präsentiert Forschung in San Diego
23.10.2026
Sven Effert Posterpreis 2026 Platz1

Die Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) um Prof. Dr. med. Wolfgang Bocksch wurde für ihre Forschung zum Verschluss eines offenen Foramen ovale (PFO) ausgezeichnet. Oberärztin Dr. Jelena Zickwolf erhielt dafür bei den DGK Herztagen 2026 in Hamburg den Sven-Effert-Posterpreis. Die vollständig am MUL – CT durchgeführte Studie untersucht, ob der Eingriff auch ohne zusätzlichen Ultraschall über die Speiseröhre sicher und effektiv möglich ist. Am 3. November 2026 wird Dr. Zickwolf die Ergebnisse beim internationalen TCT-Kongress in San Diego (USA) vorstellen.

 Bei manchen Menschen besteht eine kleine Öffnung in der Wand zwischen den beiden Herzvorhöfen, die nach der Geburt nicht vollständig verschlossen ist. Diese Verbindung wird als „persistierendes Foramen ovale“ (PFO) bezeichnet. Dies ist eine der Ursachen für einen Schlaganfall. Das PFO lässt sich mit einem dünnen Katheter und einem kleinen Verschlussimplantat behandeln. Dabei wird in dem meisten Kliniken zeitgleich eine Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre eingesetzt. Sie hilft, den Eingriff zu kontrollieren, erfordert jedoch eine zusätzliche Kurznarkose und weiteren personellen Aufwand.

Für die Studie wertete das Cottbuser Team die Daten von 180 Patient aus. Verglichen wurden zwei Verfahren: der PFO-Verschluss des kleinen Lochs zwischen den Herzvorhöfen mit zusätzlicher Ultraschallkontrolle über die Speiseröhre (2005-2021) und der Verschluss allein mithilfe von Röntgen- und Kontrastbildgebung (2021-2026).

Das Ergebnis: Beide Methoden funktionierten ähnlich gut. Der Eingriff war in 98 Prozent der Fälle mit Ultraschall und in 99 Prozent der Fälle ohne Ultraschall erfolgreich. Auch beim längerfristigen Behandlungsergebnis zeigten sich vergleichbare Werte: Der festgelegte kombinierte Studienendpunkt (kompletter Verschluss des Defektes nach 6 Monaten) wurde bei 92,8 Prozent mit und bei 95,0 Prozent ohne zusätzliche Ultraschalluntersuchung erreicht.

Ein deutlicher Unterschied zeigte sich bei der Eingriffsdauer: Mit Ultraschall dauerte der Eingriff im Mittel 43,5 Minuten, ohne Ultraschall nur 26 Minuten. Hingegen waren die Strahlenbelastung für den Patienten und die benötigte Kontrastmittelmenge in der Gruppe mit zusätzlichem Ultraschall geringer: Das sogenannte Dosisflächenprodukt lag bei 746 statt 1.354 cGy·cm², die Kontrastmittelmenge bei nur 20 statt 100 Millilitern.

Die Ergebnisse der Studie werden auch international Beachtung finden: Am 3. November 2026 wird Oberärztin Dr. Jelena Zickwolf die Daten beim Kongress Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) in San Diego (USA) vorstellen. Der TCT zählt zu den weltweit führenden Kongressen für interventionelle Herz-Kreislauf-Medizin.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich der Verschluss eines offenen Foramen ovale auch ohne routinemäßige Ultraschallkontrolle über die Speiseröhre mit vergleichbar guten Ergebnissen durchführen lässt. Dadurch kann der Eingriff deutlich schneller und weniger belastend für den Patienten ohne Kurznarkose durchgeführt werden. Gleichzeitig müssen Faktoren wie Strahlenbelastung und Kontrastmittelbedarf berücksichtigt werden. Entscheidend ist deshalb, für jede Patientin und jeden Patienten das geeignete Verfahren individuell abzuwägen“, sagt Prof. Dr. med. Wolfgang Bocksch, Chefarzt der Interventionellen Kardiologie und Angiologie an der MUL – CT.

„Diese Auszeichnung ist ein herausragender Erfolg für die MUL – CT und ein starkes Signal weit über die Grenzen der Lausitz und sogar des Landes hinaus. Dass eine vollständig an unserem Standort durchgeführte klinische Studie nicht nur mit einem renommierten Preis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ausgezeichnet wird, sondern ihre Ergebnisse nun auch beim international bedeutenden TCT-Kongress in San Diego präsentiert werden, zeigt eindrucksvoll, dass wissenschaftliche Spitzenleistungen auch hier in Cottbus entstehen und international Beachtung finden. Mein besonderer Glückwunsch gilt Dr. Jelena Zickwolf und der gesamten Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Wolfgang Bocksch. Ihr Erfolg steht beispielhaft für unseren Anspruch, medizinische Forschung auf hohem Niveau zu exzellenter Versorgung führt, denn neue Erkenntnisse wie diese sind ganz konkret Erfolge für die unmittelbare Versorgung der Menschen in der Lausitz und darüber hinaus“, sagt Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der MUL – CT.