Neue Professorin und neue Professoren vereinen interne Erfahrung und externe Impulse / Profilschärfung in Lehre und Forschung
24.03.2026 - Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie hat die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) am Montag eine Professorin und drei Professoren aus dem Kreis herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berufen: Prof. Dr. Franziska Bathelt zur W2-Professorin im Fach Interoperabilität und Sekundärdatennutzung im Gesundheitswesen, Prof. Dr. Johannes Beller auf eine W3-Professur im Fach Medizinische Soziologie, Prof. Dr. Georg Christof Schwabe zum W2-Professor im Fach Sozialpädiatrie und Prof. Dr. Pavel Strnad auf eine W3-Professur im Bereich Innere Medizin/Gastroenterologie. Die neue Medizinische Universität würdigt damit das besondere Engagement und die wissenschaftliche Exzellenz der neu berufenen Professorin und Professoren und stärkt ihre wissenschaftliche Profilbildung in Forschung und Lehre. Der Universitätsklinikstandort wird damit zunehmend attraktiver.
In seiner Begrüßung betonte Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der MUL – CT: „Mit der heutigen Würdigung gewinnt der Aufbau unserer Universität weiter an Dynamik. Engagierte Kolleginnen und Kollegen haben bereits ein tragfähiges akademisches Fundament gelegt und wichtige wissenschaftliche Impulse gesetzt. Zugleich berufen wir erstmals eine Kollegin mit klarem Digitalisierungsschwerpunkt und eröffnen damit neue Perspektiven für die nächste Generation. Alle heute Berufenen werden den Strukturwandel aktiv mitgestalten und maßgeblich zur weiteren Entwicklung der MUL – CT beitragen.“
Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Wissenschaftliche Vorständin der MUL – CT: „Die Berufungen stellen einen besonderen Tag im noch jungen Leben der MUL – CT dar. Wir vergeben heute die erste Forschungsprofessur für Digitalisierung des Gesundheitswesens. Grundsätzlich sind alle Berufungen ein weiterer Meilenstein im Universitätsaufbau und mir persönlich eine ganz besondere Ehre.“
Die Geehrten im Überblick
Berufen wurde Prof. Dr. Franziska Bathelt. Bereits drei Jahre lang wirkt die Diplom-Informatikerin und Wirtschaftsmathematikerin an der MUL – CT, zuerst als stellvertretende Leiterin der Forschungstochtergesellschaft Thiem-Research GmbH, seit 2025 als Leiterin des Datenintegrationszentrums (DIZ). Zwischen 2020 und 2023 leitete sie den Forschungsbereich „Interoperabilität von Daten und Prozessen in (Micro-)Service-basierten Systemen“ am Institut für Medizinische Informatik und Biometrie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden.
Die Arbeitsschwerpunkte der gebürtigen Berlinerin konzentrieren sich auf Intersektorale Interoperabilität, Sekundärnutzung von Versorgungsdaten, Prozessoptimierung, Datenqualität, Service-basierte Infrastrukturen sowie Software als Medizinprodukt. Prof. Dr. Franziska Bathelt: „Die Lausitz ist aufgrund der Natur, des Seenreichtums und der Lausitzerinnen und Lausitzer eine unglaublich lebenswerte Region, die aber bereits heute spürbar unter einem zunehmenden Ärztemangel leidet. Mit meiner Professur möchte ich dazu beitragen, bürokratische Hürden für Patientinnen und Patienten abzubauen und Versorgende durch intelligente, technisch unterstützte Prozesse zu entlasten. Die Gegebenheiten an der MUL – CT mit angrenzender Modellregion und vor allem die Offenheit für Kooperationen und Innovationen bieten die ideale Grundlage, um auch aus der Medizinischen Informatik heraus dazu beitragen zu können, die Gesundheitsversorgung vor Ort nachhaltig zu verbessern – für die Menschen in der Region, für meine Familie, meine Freunde aber auch für mich selbst.“
Als Zweiter im Bunde der heute Neuberufenen wurde Prof. Dr. Johannes Beller geehrt. Der gebürtige Hannoveraner beschäftigt sich als Medizinsoziologe mit den gesundheitlich besonders anfälligen und verletzlichen Bevölkerungsgruppen. Beller geht vordergründig den Fragen nach: Was sind gesundheitlich vulnerable Gruppen und wie entsteht diese Vulnerabilität? Welche bevölkerungsbezogenen Gesundheitstrends lassen sich beobachten, wie können diese erklärt werden und welche sozialen Gruppen zeigen besonders ausgeprägte Verläufe im Positiven und Negativen? Wie kann gesundheitliche Versorgung in der Lausitz möglichst effektiv, effizient und zukunftsorientiert gestaltet werden?
Prof. Dr. Johannes Beller: „In Bezug auf die MUL – CT begeistern mich zwei Dinge besonders. Als neu gegründete Universität herrscht viel Pioniergeist, man kann Neues schaffen und interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie Wissenschaft neu und zukunftsorientiert denken. Das begeistert mich. Zudem passen die Schwerpunkte der Universität, Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung im Gesundheitswesen, exzellent zu meinen eigenen Forschungsschwerpunkten und Interessen.“
Als Dritter erhielt Prof. Dr. Georg Christof Schwabe mit seiner Berufung auf eine Professur eine entsprechende Würdigung. Prof. Dr. Georg Schwabe ist seit 2015 Chefarzt am Sozialpädiatrischen Zentrum, Leiter der Pädiatrischen Onkologie & Hämatologie sowie Leiter des Zentrums Seltene Erkrankungen am damaligen CTK und der heutigen MUL – CT.
Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die Versorgung seltener Erkrankungen in der Modellregion Gesundheit Lausitz sowie die Versorgungswirksamkeit von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung. Prof. Dr. Georg Schwabe: „Die Medizinische Universität Lausitz bietet die einzigartige Möglichkeit, die Entwicklung innovativer Versorgungskonzepte im Bereich der Sozialpädiatrie aktiv mitzugestalten. Dabei ist für mich die Verzahnung von klinischer Tätigkeit im Sozialpädiatrischen Zentrum, Lehre und Wissenschaft besonders reizvoll. Ziel ist es, nachhaltig an der Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen und seltenen Erkrankungen in der Lausitz mitzuwirken.“
Zudem wurde Prof. Dr. Pavel Strnad feierlich berufen. Der aus Liberec/Tschechische Republik stammende Strnad studierte Humanmedizin an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, promovierte 2003 am Anatomischen Institut in Mainz zum Thema Zellbiologie und befand sich für dreieinhalb Jahre zum Forschungsaufenthalt an der Stanford University in den USA. 2008 gründete und leitete er eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe. Zwischen 2007 und 2012 war Strnad Assistenzarzt an der Abteilung für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm, wo er 2011 im Fach Innere Medizin habilitierte. 2012 bis 2014 war er an der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Aachen zunächst als Assistenzarzt und anschließend als Oberarzt (2014 bis 2018) tätig. Seit 2018 ist er dort zudem als Lehrbeauftragter engagiert. Im Januar 2019 übernahm er die Funktion des geschäftsführenden bzw. leitenden Oberarztes. Seit März 2020 ist Prof. Pavel Strnad Heisenberg-Professor (W3).
Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Verdauungskrankheiten, Schwerpunkte sind Hepatologie, Infektiologie und internistische Intensivmedizin. Wissenschaftlich widmet er sich seltenen Lebererkrankungen, insbesondere dem Alpha1-Antitrypsinmangel, dem Aufbau und der Auswertung von multizentrischen, longitudinalen Patientenkohorten und der Analyse von komplexen Datensätzen. „Ich glaube an die Region und die Menschen und will sie bei dem laufenden Strukturwandel unterstützen“, sagt Prof. Strnad.
Hintergrund
Eine W3-Professur ist die höchste Stufe einer Professur an deutschen Universitäten, vergeben an etablierte Wissenschaftler mit umfassender Forschungs-, Lehr- und Publikationserfahrung, die oft mit Leitungspositionen und besserer Ausstattung sowie einer entsprechenden Besoldungsgruppe (W3) verbunden ist.
Eine W2-Professur ist eine Besoldungsgruppe für Professoren in Deutschland, die als mittlere Professur an Universitäten fungiert.
In den vergangenen anderthalb Jahren wurden an der MUL – CT zentrale Ordnungen wie die Habilitations- und Promotionsordnung verabschiedet, die Berufungsverfahren für W3- und W2-Professuren angestoßen und erste Lehrflächen auf dem Campus bestimmt. Erste Inhouse- und W3-Professuren, außerplanmäßige und Honorarprofessuren sowie W2-Professuren sind bereits verliehen worden, nun erweitern die berufenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Stamm der Lehrenden und Forschenden an der Uniklinik.
Der Modellstudiengang Humanmedizin startet im Wintersemester 2026 / 2027 – mit einem Curriculum, das auf aktives, interprofessionelles Lernen und frühe Forschungsorientierung setzt. zum Artikel